Demokratie und Vielfalt in Kitas

In diesem Projekt erhalten pädagogische Fachkräfte in Kitas und ihre Fachberatungen Qualifizierungsmöglichkeiten u.a. zur Demokratiebildung und im Umgang mit ausgrenzenden Tendenzen, Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
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Demokratie verteidigen

Viele sind sich einig: Ein demokratisches Miteinander steht in Deutschland vielerorts unter Druck. Die Gesellschaft polarisiert sich zunehmend, der Umgangston wird schärfer.

Je komplexer Probleme und Aufgaben für einen sozialen Zusammenhalt werden, desto größer ist die Neigung, sich scheinbar einfachen Lösungen anzuschließen. Eine neue rechtspopulistische gesellschaftliche Kraft mit fremdenfeindlichen Positionen ist dabei sich zu etablieren. Diese scheint teilweise Merkmale einer sozialen Bewegung aufzuweisen auf mit einem breiten Spektrum an Akteuren und Aktionsformen ohne zentrale Steuerung. Viele der Anhänger*innen dieser gesellschaftlichen Kraft stellen sogar die Demokratie in Frage und delegitimieren systematisch demokratische Akteure.

Diese Entwicklungen machen auch vor den Einrichtungen von Diakonie und Kirche nicht halt. Mitarbeitende von Einrichtungen und Institutionen geraten unter Druck und sind zunehmend

Beschimpfungen oder Bedrohungen im beruflichen wie privaten Umfeld ausgesetzt, wenn sie sich für Integration, Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe engagieren. Diskriminierung und Ausgrenzung betreffen auch Einrichtungen der Frühpädagogik. Pädagogische Fachkräfte in Kitas werden zunehmend mit menschenfeindlichen Äußerungen und Vorurteilen konfrontiert. Sie stehen vor der Herausforderung zu entscheiden, wie sie mit Kolleg*innen, Kindern und deren Eltern/Familien umgehen, die sich diskriminierend äußern. Was tun, damit alle Kinder sich in ihrer Kita wohlfühlen können und respektiert werden? Wo sind Grenzen für die Fachkräfte und ihre Einrichtungen? Wo sind deutlicher Widerspruch und Grenzziehung erforderlich? Wie können die Schwächsten geschützt werden?

Vor diesem Hintergrund erscheint es mehr denn je notwendig, schon in jungen Jahren demokratisches Handeln zu üben.

Demokratiebildung mit Kleinen und Großen

Ausgehend von der Überzeugung, dass vorurteilsbewusstes demokratisches Handeln bereits im Kindesalter gelernt wird und erworbene Kompetenzen nur durch stetiges Üben handlungsleitend werden kann, setzt sich die Diakonie Deutschland mit der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V. (BETA) im Rahmen eines Kooperationsvorhabens der Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege e.V. (BAGFW) und gefördert durch das Programm „Demokratie leben“! des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ), verstärkt für Demokratiebildung von Mitarbeitenden in frühpädagogischen Einrichtungen ein.  In Fort und Weiterbildungsprogrammen werden, pädagogische Fachkräfte und  Fachberatungsmitarbeiter*innen u.a. zur Demokratiebildung und im Umgang mit ausgrenzenden Tendenzen, Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geschult. Sie erhalten Handwerkszeug, um sprechfähig zu werden und sich klar für demokratische Werte zu positionieren.

Um Demokratiebildungsprozesse in Kitas zu fördern, werden verschiedene Arbeitsmaterialen und Veranstaltungen im Projekt gemeinsam mit Fachberatungen erarbeitet und durchgeführt:

  • Eine Broschüre zum Thema Demokratiebildung aus evangelischer Perspektive soll ein Instrument sein, um Demokratiebildung im frühpädagogischen Arbeitsfeld ins Gespräch zu bringen, dafür zu motivieren und als Ansatz in den Einrichtungen zu stärken;
  • Die Inhalte dieser Broschüre münden in Schulungen für Fachberatungen.
  • Auf Fachtagen und Workshops kommen Mitarbeitende aus frühpädagogischen Einrichtungen zusammen, um ihre Expertise und Erfahrungen miteinander auszutauschen, Positionen zu reflektieren und neue Kenntnisse zu gewinnen;
  • Außerdem wird filmisches didaktisches Material entwickelt, das nicht nur bei den Schulungen zum Einsatz kommt, sondern auch anderen Fachberatungen und Kitas zur Verfügung gestellt wird.
  • Ein sechssprachiges Poster mit begleitendem Flyer, auf dem fünf Partizipationsstufen erklärt werden, dient Fachkräften als Werkzeug. Sie können es nutzen, um über Partizipation, was es in ihrer Kita bedeutet und wie sie dort gelebt wird, zu sprechen.

 

Netzwerke zur Demokratiebildung

Mitarbeitende von Kitas gehen mit den Einrichtungen als gutes Beispiel voran, wenn sie partizipativ und vielfaltsorientiert arbeiten. So  können sie als Multiplikator*innen nicht nur in ihrem eigenen Arbeitsumfeld wirken, sondern auch auf den weiteren Sozialraum Einfluss nehmen. Dabei geht es darum, vorurteilsbewusstes und demokratisches Handeln mit dem eigenen Lebensraum in Verbindung zu bringen und so über das Arbeitsfeld hinaus gesellschaftliche Entwicklungsprozesse mitzugestalten. Es findet Demokratiebildung nicht nur im Sinne von Kompetenzaufbau statt. Vielmehr bedeutet ein Netzwerk im Idealfall eine demokratische Institution, die sich selber organisiert und verwaltet und als wichtiges Organ der Zivilgesellschaft, Interessen vertreten und verhandeln kann.

 

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Ansprechpartnerin

Projektleitung Demokratie und Vielfalt in Kitas; Diakonie Deutschland

Meike Geppert
Diakonie Deutschland
Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
Zentrum Engagement Demokratie und Zivilgesellschaft
Caroline-Michaelis-Straße 1, 10115 Berlin
meike.geppert@diakonie.de
www.diakonie.de

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